Samstag, 20. Juni 2026

10h
Ankommen, Kaffee & Gipfeli

10h30
Julie Gilbert & Aurélie Olivier
Aurélie Olivier gründete 2013 den Verein Littérature, etc., über den sie die Reihe Les Parleuses ins Leben rief – Mund-zu-Mund-Propaganda zur Verbreitung der Literatur. In Podcasts und Workshops werden lebende Autor*innen eingeladen über heute verstorbene Autor*innen zu sprechen. Zudem initiierte sie den kollektiven Sammelband «Lettres aux jeunes poétesses» (L’Arche, 2021), bevor sie ihre beiden eigenen Gedichtbände «Mon corps de ferme» und «Cordon tombe» im Verlag Éditions du commun veröffentlichte. Die Theater- und Drehbuchautorin sowie Co-Direktorin des Théâtre du Loup in Genf Julie Gilbert steht hinter dem Projekt «La Bibliothèque sonore des femmes», einer wandernden Installation, die mehr oder weniger bekannte Schriftstellerinnen aus der Feder zeitgenössischer Autorinnen per Telefon zum Leben erweckt. Vor oder parallel zu ihrem eigenen Werk haben Aurélie Olivier und Julie Gilbert beide intensiv für das Werk anderer Autor*innen gearbeitet. In Lausanne werden sie darüber sprechen, wie sich Stimmen miteinander verbinden lassen, wie die Spuren jener weitergetragen werden können, die vor uns geschrieben haben, und wie dem Auslöschen von Frauen aus der Literaturgeschichte entgegengewirkt werden kann.
En français mit deutscher Übersetzung
Mit Julie Gilbert & Aurélie Olivier, Moderation: Marina Skalova

11h30-13h00
Ateliers d’action collective (1. Runde)

Anmeldung erforderlich.

Atelier: Access all areas
Kay Matter ist Dramatiker und Autor des genre-bending Romans «Muskeln aus Plastik» (Hanser Berlin, 2024). Er setzt sich in seiner künstlerischen und politischen Arbeit viel mit Zugängen und Ausschlüssen in Bezug auf chronische Erkrankung, Behinderung und weitere Formen der Marginalisierung auseinander. In seinem Atelier werden wir gemeinsam darüber nachdenken, wie literarische Räume barriereärmer gestaltet werden können. Konkret wird das Konzept des Access Rider vorgestellt und zusammen erarbeitet, wie ein solches Zugangsdokument im Alltag von Künstler*innen und Institutionen eingesetzt werden kann. Der Begriff der Barriere soll hierbei übertragen werden: Von der Ausgrenzung aufgrund von Behinderung auf andere Diskriminierungsformen wie Klassismus, Rassismus oder Queer- und Transfeindlichkeit.
Deutsch/English avec traduction simultanée en français
Mit Kay Matter

Atelier: Comment torpiller ce qui torpille l’écriture des femmes
Joanna Russ est une autrice de science-fiction et essayiste américaine. En 1983, elle analysait de façon aussi limpide qu’ironique les stratégies et structures qui systématiquement marginalisent, rabaissent et empêchent l’écriture des femmes. En 2025, ce texte est traduit pour la première fois en français par Cécile Hermellin pour les Éditions La Découverte – l’occasion pour nous de (re)lire ce texte qui sonne toujours aussi vrai. Azélie Fayolle est elle-même l’autrice de deux ouvrages de théorie critique sur l’effacement des femmes en littérature et le feminist gaze (Subvertir le male gaze, 2025, Des femmes et du style, 2023, aux Éditions Divergences). Via sa chaîne YouTube, elle s’efforce par ailleurs de transmettre ses lectures (en) féministes au plus grand nombre. Qui d’autre qu’elle pour nous guider dans le texte de Joanna Russ et, étape par étape, pulvériser les mécanismes qui “torpillent l’écriture des femmes”? Cet atelier consiste en une lecture collective et une discussion ouverte; des connaissances préalables ne sont pas nécessaires. 
En français.
Avec Azélie Fayolle

Atelier: Quelles places pour les féminismes en bibliothèque ?
En tant que lieu de partage des savoirs et de rencontres, les bibliothèques sont des actrices essentielles de notre société. Leur ancrage peut être institutionnel mais il existe aussi de nombreuses bibliothèques associatives. Au cours de cet atelier, nous échangerons à partir de nos expériences en lien avec les bibliothèques. Comment les bibliothèques peuvent-elles être des espaces féministes, luttant contre les discriminations et les inégalités ? Que ce soit au niveau des achats de livres, du catalogage, des événements, de la médiation culturelle, au sein même des équipes ou en tant que publics, nous partagerons des exemples de bonnes pratiques mais également les obstacles rencontrés. Nous imaginerons ensemble comment renforcer les liens entre bibliothèques publiques et associatives, comment mutualiser les ressources, mais aussi comment mieux accueillir les publics, dans toutes leurs diversités.
En français.
Avec Samia Swali (bibliothèque Filigrane à Genève), Elisabeth Longchamp Schneider (la Grenade, bibliothèque spécialisée du Bureau de l’égalité du canton de Fribourg) et Ana Lima De Oliveira (bibliothèques de Carouge).
Un atelier réalisé par le Laboratoire des bibliothèques, service de médiation culturelle de la fondation Bibliomedia.

Atelier: Kommen wir zur Sprache?
«Ich weiss nicht, ob wir ein Bewusstsein dafür haben, wie sehr wir, wenn wir heute schreiben, von den Texten derer leben, die geschrieben haben. Dass wir für sie verantwortlich sind, ihnen antworten, denn wir leben von ihren Texten», fragt sich Friederike Kretzen und erinnert an die vielen Frauen, die schreiben wollten, geschrieben haben und dafür ihr Leben eingesetzt haben. Eine Arbeit, die mit «Widerstand und Übermut» zu tun hat. Dies auch der Titel des Buchs, in dem sich Valerie-Katharina Meyer gemeinsam mit Nadia Brügger auf Spurensuche nach Schweizer Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre, ihren Texten und wie diese die Schweizer Literaturlandschaft verändert haben, begeben haben (Hier und Jetzt, 2025). Zwei Autorinnen, zwei Generationen von Schreibenden eröffnen ein Gespräch über Vergessen, Tradierung und ein Schreiben, in dem all das mitschreibt, was immer wieder nicht zur Sprache kommt.
Auf Deutsch.
Mit Friederike Kretzen, Valerie-Katharina Meyer

Mittagspause
Activité physique collective (optional)

14h30
Sharon Dodua Otoo & Kristin T. Schnider
Kristin T. Schnider und Sharon Dodua Otoo sind beide in London geboren und engagieren sich auf unterschiedliche Weise im deutschsprachigen Raum politisch und als Autorinnen. Kristin T. Schnider war in den 1980er/90er Jahren erfolgreich als Autorin unterwegs und zog sich dann aber aus dem Literaturbetrieb zurück. Heute gilt sie bereits als vergessene Schweizer Autorin. Sharon Dodua Otoo gewann 2016 den Ingeborg-Bachmann-Preis und hielt 2020 die Klagenfurter Rede zur Literatur «Dürfen Schwarze Blumen Malen?». In Lausanne sprechen die beiden über Spuren einer migrantisch-feministischen, deutschsprachigen Literatur, über Vorbilder, Hürden und über Unterschiede in der Schweiz und Deutschland; was war früher besser und was wünschen sich die beiden für die Zukunft?
Deutsch avec traduction simultanée en français.
Mit Sharon Dodua Otoo & Kristin T. Schnider, Moderation: Annette Hug

15h30-17h00
Ateliers d’action collective (2e session / 2. Runde)
Anmeldung erforderlich.

Atelier: Éditer en féministes
En mai 2021, un collectif d’éditrices féministes publiait une tribune dans Mediapart pour défendre l’édition féministe via mais aussi au sein des maisons d’édition, c’est-à-dire non seulement dans les catalogues, mais aussi concrètement, dans les structures. Qu’est-ce que le féminisme dans l’édition, au-delà d’une thématique ? Comment veiller à mettre en œuvre une cohérence entre les visions du monde défendues par les textes et les pratiques éditoriales ? Confrontées aux lois du marché, les maisons d’édition doivent lutter pour leur indépendance et l’accessibilité de leurs textes tout en mettant des stratégies en place pour éviter l’(auto-)exploitation. Comment prendre soin les unes des autres dans ces circonstances, éditricexs, autricexs, traductricexs ? Dans les maisons indépendantes, ces défis sont d’autant plus présents que les chiffres de vente sont petits, la recherche de fonds une nécessité et les coûts de production élevés.
Lors de cet atelier, nous nous interrogerons sur l’édition féministe et l’apport féministe à l’édition via un échange d’expériences. Nous déboucherons sur un partage de ressources et d’outils concrets. 
En français.
Avec Florence Robins & Juliette Rousseau

Atelier: Échange entre auteuricexs / traducteuricexs
Schreiben und Übersetzen sind oft einsame Tätigkeiten, geprägt von stiller Konzentration, Selbstzweifeln und innerem Ringen. Das Atelier möchte dem etwas entgegensetzen und einen Ort des Austauschs schaffen: über den Alltag des Schreibens und Übersetzens, über innere und äußere Hindernisse, emotionale Herausforderungen und strukturelle Hürden. Wie beeinflussen Herkunft, Sprache, Netzwerke oder fehlende Sichtbarkeit die eigene Arbeit? Wie geht man mit Blockaden, Unsicherheiten oder mit Stimmen um – von außen oder innen –, die sagen: „Du kannst das nicht“? Im gemeinsamen Gespräch sollen Erfahrungen geteilt, Strategien entwickelt und gegenseitige Stärkung ermöglicht werden. Das Atelier lädt dazu ein, Schwierigkeiten nicht isoliert zu tragen, sondern sie sichtbar zu machen und gemeinsam neue Perspektiven zu eröffnen.
Jede*r spricht die eigene Sprache
Mit Migmar Dolma

Atelier: Für die Literatur sorgen
Was bedeutet es, sich um die Literatur zu sorgen? Und wer sorgt eigentlich für wen? Für Texte, für Stimmen, für Räume des Schreibens und Lesens. Augusta Laar ist Schriftstellerin, bildende Künstlerin, Musikerin und Gründerin und Leiterin der Schamrock-Salons und des internationalen Schamrock-Festivals der Dichterinnen in München und Wien. Hier kommen Lyrikerinnen aus unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und poetischen Haltungen zusammen und bilden über Jahre hinweg ein wachsendes feministisches Netzwerk.
Für diesen Workshop hat Augusta Laar fünf Gedichte aus verschiedenen Festivaljahren ausgewählt, die ihr eigenes Schreiben, Lesen und Kuratieren nachhaltig geprägt haben. Anhand dieser Texte fragt sie nach der Arbeit hinter der Literatur: nach Ausdauer und Beharrlichkeit, nach Hindernissen, Brüchen und Ausschlüssen, aber auch nach der Fähigkeit zur Anpassung – an sich ständig verändernde Bedingungen. Der Workshop versteht Literatur nicht nur als Werk, sondern als Beziehung: zwischen Schreibenden, Lesenden und den Strukturen, die Literatur ermöglichen oder verhindern. Gemeinsam wird erkundet, wie Sorge als poetische, politische und praktische Haltung wirksam werden kann – und wie sie das eigene literarische Tun verändert.
Deutsch avec traduction simultanée en français.
Mit Augusta Laar

Atelier: Cumul de casquettes
Während viele davon träumen, in der Literaturszene Fuss zu fassen, haben andere gleich mehrere Funktionen inne: Sie sind gleichzeitig Autor*in, Übersetzer*in, Verleger*in und Programmgestalter*in und werden für zahlreiche Komitees und Jurys angefragt. Denn diese Verwantwortung bringt Know-how und Sichtbarkeit mit sich, was wiederum zu weiteren Möglichkeiten führt. Was sind die Risiken einer solchen Konzentration von Machtpositionen, aber auch, was sind die Gründe dafür? Viele Stellen im Kulturbetrieb zahlen sich wirtschaftlich nicht aus. Diese Prekarität führt zwangsmässig zu einer Kumulierung. Und wenn man einen Fuss in die Tür gesetzt hat und diese für andere offenhält, was praktizieren wir dann? Kooptation, Abschottung oder Solidarität – oder sogar alles zusammen? Wir werden darüber nachdenken, wie diese Rollen miteinander in Einklang stehen oder in Konflikt geraten, und versuchen, etwas zu entwickeln, das einem Code of Conduct oder einer Sammlung von Best Practice-Beispielen ähnelt.
Jede*r spricht die eigene Sprache
Mit Camille Luscher, Monique Kountangni

Activité physique collective (optional)

17h30
Wir müssen reden!
Von aussen wirkt die Schweizer Literaturszene wie ein geschlossener Klub. In einem offenen Gespräch fragen wir nach Codes, Hürden und Dissonanzen, um Wege zu finden, diese zu umgehen oder aufzulösen. Die Literatur soll ein offener, demokratischer Ort werden, der allen gehört. Zur Lancierung des Gesprächs sind drei Inputgeberinnen eingeladen, die aus ihrer Erfahrung berichten: Wer darf denken und schreiben in diesem Land? Wann und wo ist die Zweiklassengesellschaft besonders spürbar? Was sind Best Practice Beispiele, von denen wir lernen können? Ziel des Abschlussplenums ist es, gemeinsam Forderungen an den Literaturbetrieb stellen.
Jede*r spricht die eigene Sprache, Übersetzung auf deutsch und französisch.
Mit Inputs von Annette Hug, Shpresa Jashari, Agnes Siegenthaler (LivrEchange)
Moderation: Migmar Dolma & Philine Erni

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